Die Weggefährten

Ein Gebet ohne Absicht ist wie ein Pfeil ohne Bogen.
Eine Absicht ohne Gebet ist wie ein Bogen ohne Pfeil.
Ella Wheeler Wilcox

 

 

 

     


 

Der Bogenschütze, der die Freude des Bogens und des Pfeils nicht mit
anderen teilt, wird niemals seine eigenen Vorzüge und Mängel
kennenlernen.


Daher suche dir, bevor du beginnst Verbündete, Menschen, die sich
für das interessieren, was du tust.


Ich sage nicht: Suche andere Bogenschützen. Ich sage: Suche Men-
schen mit anderen Fähigkeiten, denn der Weg des Bogens ist wie jeder
andere Weg, der mit Begeisterung gegangen wird.


Deine Verbündeten sind nicht notwendigerweise jene Menschen auf
die alle staunend blicken und über die man sagt: „Jemand Besseren gibt
es nicht." Ganz im Gegenteil: Es sind Menschen, die keine Angst davor
haben, sich zu irren, und es daher auch tun. Aus diesem Grunde wird ih-
re Arbeit nicht immer anerkannt. Aber gerade diese Menschen verän-
dern die Welt. Nach vielen Irrtümern schaffen sie etwas, das äußerst
wichtig für ihre Gemeinschaft ist.


Es sind Menschen, die warten können, bis die Dinge geschehen, um
später entscheiden zu können, wie sie sich am besten dazu verhalten:
Sie treffen eine Entscheidung, während sie handeln, auch wenn sie zu-
gleich wissen, dass dies sehr riskant sein kann.


Das Zusammenleben mit diesen Menschen ist sehr wichtig für einen
Bogenschützen, denn er muss begreifen, dass er, bevor er sich vor sei-
nem Ziel aufstellt, frei genug sein muss, um die Richtung zu wechseln,
während er den Pfeil zum Auszug zieht.


Wenn er die Hand öffnet und die Sehne loslässt, sollte er zu sich selber
sagen: „Während ich den Bogen spannte, habe ich einen langen Weg zu-
rückgelegt. Jetzt lasse ich den Pfeil im Bewusstsein los, genügend riskiert
und das Beste von mir gegeben zu haben."


Die besten Verbündeten sind diejenigen, die nicht wie die anderen
denken. Daher vertraue deiner Intuition, wenn du Gefährten suchst, mit
denen du die Begeisterung für das Bogenschießen teilen möchtest und
kümmere dich nicht darum, was andere sagen. Die Menschen beurteilen
die anderen immer nach sich selber - und manchmal ist ihre Meinung
von Vorurteilen und Ängsten geprägt.


Tue dich mit denen zusammen, die etwas ausprobieren, etwas riskie-
ren, die fallen, sich verletzen und von Neuem etwas riskieren. Und halte
dich von denjenigen fern, die Wahrheiten verkünden, die jemanden kri-
tisieren, weil er anders denkt als sie und die niemals einen Schritt getan
haben, ohne die Gewissheit zu haben, dass sie deswegen geachtet wer-
den würden und die Gewissheiten dem Zweifel vorziehen.

 

Paulo Coelho